Wer hat Angst vor Twitter-Trollen?

Muss ich anmerken, dass nicht alles, was ich schreibe, tierisch ernst genommen werden muss?

Ich finde es immer wieder erstaunlich, auf welche Ideen Menschen kommen können. Es ist fasziniert mich. Allerdings gibt es beileibe nicht immer nur gute Ideen. Im Bereich „automatische Erkennung“ von Fakes oder Trollen habe ich das Gefühl, die Möglichkeiten einer künstlichen Intelligenz werden noch weit überschätzt. Trolle sind für einen Menschen, der etwas mitdenkt, normalerweise sehr leicht zu erkennen. Trotzdem hat sich hier jemand ein Tool einfallen lassen und auch programmiert, das dem menschlichen Gehirn das Mitdenken abnehmen soll. t3n berichtet hier über das Tool.

Trolle automatisch erkennen?

Wer sollte ein Interesse daran haben, Trolle automatisch erkennen zu lassen. Wird jemand wirklich über die Maßen von dieser nervigen Internet-Spezies bedrängt? Muss er sie massenweise von einem Tool erkennen lassen, weil er das mit „persönlich in Augenschein nehmen“ nicht mehr schafft? Mir fällt auf Anhieb niemand ein, der eine automatische Trollerkennung braucht. Wie ist das bei Ihnen? Freue mich auf Ihre Meinung dazu. 😉

Derweil versuche ich, mich in einen von einer Trolllawine heimgesuchten Twitterer zu versetzen. Es gelingt mir nicht. Ich denke an einen Shitstorm, ist ja was Ähnliches … Habe ich etwa Angst oder eine Art Paranoia davor, das mich eine Meute Twitterer mit Beleidigungen zuschmeißt? Muss ich Trolle schon im Vorfeld identifizieren und blocken, damit sie sich nicht zu einem Shitstorm gegen mich zusammenrotten? Gott sei Dank, es gibt ja automatische Erkennungs-Tools. Nun kann niemandem mehr etwas passieren. Schüttel! Fröstel!

Die Entwickler wissen natürlich, dass kein Algorithmus so etwas zuverlässig leisten kann. Daher bieten sie mir an, ihnen von mir erkannte Trolle zu melden. Die werden dann in einer Datenbank gesammelt. Wer einen Twitteraner prüfen will, bevor er folgt, kann das mit Trolldor gerne tun. Ich werde dieses Tool jedoch nicht füttern, ich bin weder Petzliese noch Denunziant. (Nebenbei gesagt, ich halte dieses Tool aus rechtlicher Sicht für bedenklich.) Weil ich so gut wie alle Kriterien mal wieder ziemlich an brüchigen Haaren herbeigezogen empfinde, hier eine kurze Rezension der dort gebotenen Möglichkeiten.

Was Trolldor so leistet

Die Seite startet gleich durch und bietet auf dem Empfangsbildschirm eine Untersuchung an. Jeder beliebige Twitterer kann in der Form @Twitterer eingegeben werden.

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Das Programm auf der Webseite rennt dann durch einige bestimmt sehr ausgeklügelte Algorithmen und liefert später auch ein Ergebnis. Bei mir sieht es so aus, als wäre ich noch nicht als Troll eingetragen worden. Puuuhh … nochmal Glück gehabt?

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Ach ja, das Ergebnis kann weiterverbreitet werden, wie üblich. Habe es nicht ausprobiert, will es auch nicht. Es könnte mir als üble Nachrede ausgelegt werden …

Detail-Auswertung

In der folgenden Aufzählung gehe ich jede – ich nenne es mal – „Troll-Erkennungs-Kennzahl“ (Behavior indicator) durch. Danach werde ich das Bildschirmfoto mit den Ergebnissen für @DeutschTweetor zeigen (Neugierige dürfen nach unten scrollen und sich sofort dorthin begeben :).

  1. Retweets
    Um ehrlich zu sein, ich habe keinen blassen Schimmer, warum dort „Own content 100%“ steht. Meinen die jetzt, dass zu 100% mein eigener Content retweetet wird? Warum ist dann der grüne Kreis nicht geschlossen? Was können Retweets über „trolliges“ Verhalten aussagen? Hilfe! Mich verfolgen Leute und plappern meine Worte nach, als wären es Papageien …
  2. Tweets with links
    Ich glaube, ich verstehe Twitter nicht. Ist ja schön, dass 80% meiner Tweets keine Links enthalten. Aber warum wird das mit der Farbe Grün angezeigt? Als ob Trolle andere Leute beschimpfen, indem sie böse Links an ihre Tweets heften …
  3. Average daily tweets
    Keine Ahnung, was mir diese Zahl sagen will. Twittern Trolle durchschnittlich mehr oder weniger als 14 Tweets am Tag?
  4. Account history
    Okay, das könnte ich als Hinweis darauf interpretieren, dass wer lange dabei ist, eher weniger zum „Trollen“ neigt. Das könnte sich als fataler Irrtum entpuppen. Wer kann schon vorhersagen, wann ein Vulkan aktiv wird.
  5. Followers with the same language
    80% meiner Follower sollten die gleiche Sprache wie ich sprechen. Wie kommen die auf so etwas? Wahrscheinlich sind die Programmierer US-Amerikaner. Die können nicht so viel Fremdsprachen und nennen daher Englisch als Sprache, die sie auf Twitter zu nutzen gedenken. In Deutschland ist das anders. Meine diesbezüglichen Analysen haben ergeben, dass einige Twitterati zwar auf Deutsch twittern, jedoch die Sprache bei der Voreinstellung (englisch) belassen haben.
    Außerdem denke ich, dass es trotz manch gegenteiliger Behauptungen recht schwer ist, sich die Follower auszuwählen, es sei denn man blockt die, die einem nicht gefallen. Macht das jemand von Ihnen? Keine Scheu, ich kenn so einiges da draußen im Twitterland. 🙂
  6. Followers of <30 followers
    Follower, die weniger als 30 Follower haben. Was für eine Zahl! Was kann ich dafür, dass meine Follower sich mit wenig Followern begnügen oder nach kurzer Probierphase wieder aufgehört haben mit dem Twittern. Was soll diese Zahl bedeuten? Warum eigentlich nicht 35 oder 42? Und wer legt fest, dass mehr als 35% solcher Follower mich schon fast wie ein Troll wirken lassen? Da kann ich gleich die Glaskugel befragen.
  7. Mentions
    Weil ich zu viele Leute erwähne und dazu kaum „werthaltige“ Tweets zum Ausgleich verschicke, besteht bei mir allerhöchster Verdacht, ein Troll zu sein. Ja, Quantität ist Trumpf! Ein wirklicher Troll fällt bei dieser Betrachtungsweise schnell durch’s Raster, oder?
  8. Followers of <10 tweets
    Wenn also mehr als 35% meiner Follower weniger als 10 Tweets von sich gegeben haben, bin ich möglicherweise ein Troll. Mit 21% liege ich auch noch nicht im grünen Bereich. Mit einer Extiszipin komme ich vermutlich auf genauere Ergebnisse. Also schlachtet mir bitte mal ein Lamm! Und her mit den Eingeweiden …
  9. Follower with accounts <30 days
    Schön, dass dieser Punkt als unterster gelistet wird. Ich habe angeblich 31% Follower, deren Account nicht älter als 30 Tage ist. Nach Adam Riese macht das etwa 7000 Follower, die mir seit weniger als einem Monat folgen. Der Zuwachs, den ich berechnen konnte liegt in den ersten 5 Monate bei etwa 700. Frage mich klammheimlich, wem wohl diese mathematische Fehlfunktion aus der Tatstatur unbemerkt entfleucht ist.

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Was sagt dieses Tool mir und der Welt?

Was will mir dieses Tool eigentlich sagen mit seinen völlig aus der Luft gegriffenen Grenzwerten, nicht nachvollziehbaren Prozentzahlen und falschen Berechnungen? Nach 3 Analysen soll ich mich anmelden. Es wird in Zukunft etwa ein größeres Geschäft erwartet? Oder ist das einfach nur ein billiger Versuch, an meine E-Mail-Adresse zu kommen, um mich volltrollen zu können? Vielleicht sollte ich das mal auspendeln. Aber so rot wie ich abgeschnitten habe, sollte ich mir vielleicht eher überlegen, wie ich meiner Rolle als Troll gerecht werden könnte. 🙂

Trolldor kann meinetwegen schnell wieder in der Versenkung verschwinden. Das erinnert mich an Leute, die Spammer am Avatar-Bildchen riechen können. Das hat doch nichts mit Social Media zu tun. Das ist einfach nur Dummbeutelei. Ich jedenfalls brauche das nicht.

Ein echter Troll wird sich freuen über dieses Tool. Vermittelt es doch den Eindruck, helfen zu können. Echte Trolle aber wissen, wie einfach sich ein Twitter-Name ändern lässt. So können Sie weiterhin unerkannt ihr Unwesen treiben. Bin gespannt, wann eine wissenschaftliche Analyse erkennen lässt, dass ein menschliches Gehirn programmierten Algorithmen weit überlegen ist.

Da fällt mir ein, so ein Geheimdienst ist auf die Idee gekommen, Sarkasmus maschinell und automatisch aus Twitter herausfiltern zu lassen … lacht da etwa wer?

Quellen:

 


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Heiner
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Heiner Tenz, im Hauptberuf Berater für SAP, ist seit 10 Jahren aktiv in den Social Media unterwegs. Sein Fokus liegt hauptsächlich im Bereich Netzwerken auf Augenhöhe und Einsatz von Social Media im industriellen Umfeld - Thema: Unternehmensweite effiziente Zusammenarbeit.
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Über Heiner

Heiner Tenz, im Hauptberuf Berater für SAP, ist seit 10 Jahren aktiv in den Social Media unterwegs. Sein Fokus liegt hauptsächlich im Bereich Netzwerken auf Augenhöhe und Einsatz von Social Media im industriellen Umfeld - Thema: Unternehmensweite effiziente Zusammenarbeit.

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