Was Klout mir weismachen will

Ich gebe es zu, ich bin von maschinellen Auswertungen, was die Reputation im Netz betrifft, nicht überzeugt. Meiner Skepsis gegen noch so smart programmierte Algorithmen konnte bislang keines der verbreiteten Tools etwas wirksam entgegensetzen. Heute hat mich Klout wieder davon überzeugt, dass künstliche Intelligenz noch nicht programmiert werden kann und einfach nur aus willkürlich zusammengewürfelten Algorithmen besteht.

Wenn Personaler also den Klout-Wert zu Rate ziehen, um das Bild vom aktuellen Kandidaten zu vervollständigen, wissen sie hoffentlich, was Sie tun. Denn die von Klout programmierten Algorithmen schaffen es offensichtlich nicht, ein halbwegs zutreffendes Bild zu ermitteln. Daher halte ich es für fragwürdig, allein maschinellen Auswertungen zu vertrauen. Menschen sind wesentlich differenzierter beschaffen, als eine künstliche Intelligenz es bislang fassen kann.

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Als ich jetzt nach langer Zeit wieder einmal Klout besucht habe, wurde ich mit folgender Meldung begrüßt:
„Herzlichen Glückwunsch Heinrich!
Wir haben festgestellt, dass Du Experte auf folgenden Gebieten bist:“

Bei Klout hat man also etwas festgestellt. Nur was sie dort festgestellt haben, hat mit meinen Expertisen weniger zu tun als Konfitüre aus dem Supermarkt mit der von Oma eingekochten Marmelade. Ich soll also Experte auf den folgenden Gebieten sein:

  • Austria – ja, ich kenne unser südöstliches Nachbarland, war auch schon mal in Wien. Aber detaillierte Kenntnisse besitze ich noch nicht mal von der österreichischen Fußballnationalmannschaft.
  • BarCamp – ich war noch nie auf einem BarCamp, habe auch noch keines veranstaltet. Vielleicht habe ich zu viele entsprechende Veranstaltungshinweise getwittert.
  • Facebook – dass DeutschTweetor die dortige Seite sträflich vernachlässigt, kann irgendwie nichts mit einem diesbezüglichem Expertentum zu tun haben.
  • Karlsruhe – ja, ich glaube Substage hieß der Club, in dem ich mal ein Konzert erleben durfte. Kann mich jedoch nicht erinnern, ob ich zu der Zeit schon getwittert habe.
  • Leipzig – was soll ich sagen, ich war tatsächlich schon einmal in Leipzig. Einmal dort – schon Experte? So klein ist Leipzig nun auch wieder nicht. Was denken die dort in Amiland.
  • SEO – ich setze ein Tool hier im Blog ein und bin sehr zufrieden damit, habe aber sonst keine Ahnung davon. Meine Kenntnisse in SEO sind also durchaus ausbaufähig.
  • TYPO3 – ich bin sicher, ich habe das schon mal gehört. Was war das noch gleich?
  • Unicorns – Einhörner? Habe ich etwa über Harry Potter getwittert? Oder woher kommt so etwas?
  • Watchmen – hier stehe ich völlig auf dem Schlauch. Könnte mir jemand erklären, ob es sich um einen Film oder um eine Musikband oder sonst etwas handelt?
  • Zurich – ich glaube, die meinen Zürich. Da habe ich vor über 20 Jahre mal eine Schulung besucht. Aber das war in Regensdorf bei der SAP. Ist das Zürich? Auf jeden Fall war ich schon mal auf dem Züricher Flughafen.

Wenn das also die Gebiete sein sollen, auf denen ich Experte bin, weiß ich möglicherweise einfach nicht, wie ich mit Twitter umgehen muss, damit Klout die korrekten Gebiete findet, von denen ich tatsächlich eine Ahnung habe. Oder sollte ich vielleicht einen Kurs besuchen, der mir beibringt, wie im Sinne von Klout richtig getwittert wird und wie man Facebook-Beiträge schreibt, anhand derer Klout erkennen kann, wo die tatsächliche tatsächlich Expertise liegt?

Vielleicht sollte ich mal ein Experiment wagen. Eine Schüssel mit gefalteten Zetteln füllen, auf den Begriffe notiert sind, die irgendwie etwas mit meinem Leben zu tun haben. Das Ganze gut durchmischen und 10 Zettel blind herausfischen. Ich bin mir sicher, das Ergebnis hätte so viel mit meinen Spezialgebieten zu tun, wie die automatisch über Klouts „künstliche Intelligenz“ ermittelten Ergebnisse.

Nicht falsch verstehen. Klout erfasst und analysiert (maschinell) die Aktivitäten in den Social Media und kann vermutlich als Gradmesser für die Aktivitäten und Interaktionen in den unterstützten Social Media verwendet werden. Aber auch nur dafür, und das auch nur in dem Bereich der tatsächlich für die Untersuchung herangezogenen Medien … Nur wenn Klout anfängt, konkrete Aussagen bezüglich irgendwelcher Spezialgebiete oder Qualifikationen zu machen, begibt es sich auf sehr dünnes Eis …

Ich wünsche einen angenehmen Tag!

Heiner
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Heiner

Heiner Tenz, im Hauptberuf Berater für SAP, ist seit 10 Jahren aktiv in den Social Media unterwegs. Sein Fokus liegt hauptsächlich im Bereich Netzwerken auf Augenhöhe und Einsatz von Social Media im industriellen Umfeld - Thema: Unternehmensweite effiziente Zusammenarbeit.
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Über Heiner

Heiner Tenz, im Hauptberuf Berater für SAP, ist seit 10 Jahren aktiv in den Social Media unterwegs. Sein Fokus liegt hauptsächlich im Bereich Netzwerken auf Augenhöhe und Einsatz von Social Media im industriellen Umfeld - Thema: Unternehmensweite effiziente Zusammenarbeit.

Kommentare

Was Klout mir weismachen will — 4 Kommentare

  1. Hallo Heiner,

    vielen Dank für diesen erheiternden Artikel.

    Gefühlte Ewigkeiten war ich selbst nicht mehr bei Klout. Du hast mich neugierig gemacht; denn ich wollte wissen, für was ich lt. Klout angeblich Expertin bin.

    Nachdem ich für Austria, Karlsruhe, Pinterest, Recruitement + Staffing als Experte (Himmel hilf!) identifiziert wurde (neben Content Marketing, Frankfurt, Germany – was noch nachvollziehbar ist), habe ich mein Konto dort kurzerhand gelöscht.

    Danke für diesen „Anstupser“ der längst überfälligen Löschung und besten Gruß aus Limburg,
    Manuela

    • Hallo Manuela,

      vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich hatte auch schon überlegt, mich dort abzumelden. Andererseits möchte ich jedoch weiterhin beobachten, wie es sich bei den „Reputations-Mess-Tools“ entwickelt.

      In vieler Hinsicht wird auf automatische Verfahren gesetzt, um etwas über Follower, Reputation oder Wirkung von Blogs, Werbekampagnen oder Google-Ranking zu erfahren. Was den quantitiven Aspekt anbelangt, ist es aus meiner Sicht in Ordnung. Leider kommen immer mehr qualitative Aspekte dazu. Das können meiner Meinung nach derzeit keine noch so schlauen Algorithmen auswerten.

      Was mich hauptsächlich stört, ist die Neigung vieler Leute, solche Auswertungen für bare Münze zu nehmen. Für mich geht es beispielsweise nicht an, dass zur Einschätzung von Bewerbern der Klout-Wert herangezogen wird. Der ist definitiv manipulierbar und sagt rein gar nichts über die Qualität eines Bewerbers aus.

      Viele Grüße heute mal wieder aus dem Rhein-Neckar-Raum 🙂
      Heiner

  2. Hallo und Glück Auf! aus dem Ruhrgebiet 🙂

    Ein interessanter Beitrag der einmal mehr bestätigt, die Finge von solchen „virtuellen Automaten“ zu lassen. Für unsere Accounts im Social Web Bereich gilt ohnehin: Wer mit Umzüge Meurer Kontakt aufnimmt, spricht auch mit Umzüge Meurer – und nicht mit irgendeiner Software :-).

    DankeschöÖön für diesen Beitrag

    Mit bewegenden Grüssen
    Nicole Meurer

  3. Hallo, Herr Tenz,

    vielen Dank für die Aufklärung über Klout. Da hatte mein Bauch also wieder mal Recht. Ich habe nie Kopfstände gemacht, um irgend etwas an meinem Klout zu verändern.

    Mit guten Grüßen
    Biographin Irene Wahle

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