Was folgt der Sperrung der Twitter-API für TweetAdder?

TweetAdder funktioniert nicht mehr

TweetAdder Nutzer werden es bereits festgestellt/erfahren haben: Vor ein paar Tagen hat Twitter die API für TweetAdder geschlossen. Das ist für sich betrachtet kein großes Problem für die Twitterwelt. Für die zahlenden Anwender allerdings schon. Weltweit wird TweetAdder von etwa 100.000 Anwendern eingesetzt.

Für ein Unternehmen, das von der Bereitstellung seiner Dienste leben will, eine beachtliche Anzahl. Die Art, wie Twitter bei der Suspendierung vorgegangen ist, erinnert an die Ausgrenzung der vielen Entwicklungen, die Twitter erst zu seiner Popularität verholfen haben. Ich denke, das ist eine nähere Betrachtung wert.

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Was ist passiert?

TweetAdder hat die Suspendierung seiner API in einem Tweet am 21. Mai 2015 bekanntgegeben:

https://twitter.com/TweetAdder/status/601200429217751040

Ich habe es mal sinngemäß übersetzt:
Twitter hat unseren API-Zugang geschlossen. Wir denken, wir haben alles getan, was von uns verlangt wurde, und wurden trotzdem ausgeschlossen. Wir warten noch auf eine Nachprüfung.

Im Support-Forum von TweetAdder findet sich diese Meldung:

http://support.tweetadder.com./support/discussions/topics/308503

TA Support-Forum API

Auch hier eine sinngemäße Übersetzung:
Twitter hat unseren API Zugang gesperrt. Das bedeutet, dass unser Programm User nicht mehr authentifizieren kann,  weder Folgen noch Entfolgen durchführen, und auch keine Tweets und direkten Nachrichten mehr senden kann.

Vor zwei Wochen wurden wir von Twitter darauf hingewiesen, dass Anwender einen Weg gefunden hätten, über 200 Aktionen pro Minute durchzuführen. Wir wurden angewiesen, das Programm mit entsprechenden Kontrollen zu versehen. Wir fragten nach einer Schwelle, die von Twitter akzeptiert werden würde, um nicht ausgeschlossen zu werden. Wir haben keine Antwort bekommen, welche Schwelle Twitter akzeptieren würde, um damit das Programm anzupassen.

Wir erfüllten die Anforderungen und bauten Schranken ein, um die Geschwindigkeit überwachen zu können, in der Anwender folgen und entfolgen können. Es ist die gleiche Geschwindigkeit wie bei Twitter selber. Wir informierten Twitter über die Änderungen und die API wurde wieder freigeschaltet.

Zwei Wochen lang lief es ohne Probleme, bis wir durch eine E-Mail darüber informiert wurden, dass wir weiterhin die Regeln verletzen und daher unser API Zugang für immer geschlossen wurde.

Wir versuchten wieder und wieder, die zuständigen Partner zu kontaktieren, ohne eine Antwort zu bekommen. Wir sind absolut nicht mit der Deaktivierung unserer API einverstanden, und wir versuchen weiterhin durch alle möglichen Kanäle mit Twitter in Kontakt zu kommen, um das Problem zu lösen.

Es war hoffentlich ein Irrtum und wird wieder korrigiert.

Bis dahin werden wir den Verkauf stoppen und die Berechnungen laufender Verträge aussetzen.

Twitter hat TweetAdder „den Hahn abgedreht“

Kurz gesagt: TweetAdder funktioniert derzeit nicht. Nun ist es jedoch ein Programm, für dessen Nutzung gezahlt werden muss. Wer auf monatliche Zahlweise eingestellt ist, dessen monatliche Abrechnung ist ausgesetzt worden. Insofern fallen für die Nutzer des Programms momentan keine weitere Kosten an. Wer das Programm gekauft hat, bevor es im Abonnement vertrieben wurde, wird sich vielleicht ärgern, dass es ab sofort eine Fehlinvestition sein könnte. Er wird sich möglicherweise nach einem anderen Programm umsehen müssen.

Was mir bei dieser Sache aufstößt, ist das rigorose Verhalten auf Seiten Twitters. Es ist meines Wissens das erste Mal, dass einer Firma, die ihr Geld mit Zusatzsoftware für Twitter verdient, die API gesperrt wurde. Da ich schon seit langer Zeit TweetAdder einsetze, kenne ich auch ein wenig die Geschichte.

TweetAdder hat sich an die Anforderungen Twitters gehalten

Auf die Verschärfung der Richtlinien Twitters hin hat TweetAdder alle unerlaubten Möglichkeiten zur Automatisierung entfernt. Bei der Nutzergemeinde hat das damals bei der Einführung der Version 4 zu teilweise sehr heftigen Protesten geführt. TweetAdder hatte zusammen mit Twitter einen Weg gefunden, das Programm an die neuen TOS (Twitter-Regeln) anzupassen.

Auch die letzte Aktualisierung vier Wochen vor der Sperrung ist meiner Meinung nach den Anforderungen Twitters gerecht geworden. Eine Folge- oder Entfolge-Aktion konnte erst wieder gestartet werden, nachdem die jeweils vorher durchgeführte Aktion beendet war. Somit war Tweetadder sogar langsamer, als es bei manuellem Folgen per Twitter-Web-Client der Fall ist. Insofern halte ich es für möglich, dass Twitter ein ganz anderes Ziel verfolgt.

Worum geht es wirklich?

Es könnte zwar sein, dass das TweetAdder Programm von findigen Hackern manipuliert wurde, um es schneller und effektiver zu machen. Das halte ich persönlich allerdings für eher unwahrscheinlich. Warum aber verweigert Twitter die Kommunikation? Unter Geschäftspartnern sollte doch eine normale Kommunikation möglich sein.

Es kann also trefflich spekuliert werden. Twitter muss seinen Aktionären positive Bilanzen vorweisen. Seit dem letzten Kursrutsch nach der schlechten Bilanz des ersten Quartals 2015 weiß das wohl jeder. Will es TweetAdder kaufen oder eine eigene Entwicklung kostenpflichtig auf den Markt bringen und vorher die Konkurrenz vom Markt fegen? Die Macht dazu hätte Twitter und ein lukratives Geschäft wäre es allemal.

Die Entwicklung wird zeigen, in welche Richtung es gehen wird. Twitter hat offensichtlich einen aggressiven Weg eingeschlagen. Das jedoch könnte langfristig Geschäftspartner verunsichern. Dabei denke ich auch an Werbekunden. Wie groß ist das Vertrauen in ein Unternehmen, das Geschäftspartner maßregelt, die mitgeholfen haben, Twitter groß zu machen?

Wie wirkt das auf Kunden und Geschäftspartner?

Wenn Twitter so rüde mit Geschäftspartnern umgeht, was haben dann Kunden zu erwarten, wenn Twitter mal etwas nicht ins Gehege passt? Derzeit ist wenig Wertschätzung zu spüren, und es sieht ganz stark nach rücksichtslosen Durchsetzen der eigenen Interessen aus. Dabei wird die Abhängigkeit der Dienstleister voll ausgenutzt.

Was haben die Anwender zu erwarten? Es war immer wieder ein Thema, wie Twitter seine Nutzer ohne Vorwarnung und oft ohne Möglichkeit, sich zu rechtfertigen, ausgesperrt hat. Ist Twitter als Dienstanbieter sozial glaubwürdig oder ist es einfach nur eine Maschine, die seine Aktionäre zufriedenstellen möchte, egal was die Anwender denken?

Ich spekulier mal ein wenig 🙂

Um zu überleben muss Twitter unternehmerisch handeln. Es muss sich gegen Konkurrenten wehren und versuchen, wie auch immer Geld in die Kassen zu spülen. Es muss Gewinne erwirtschaften und seine Aktionäre zufrieden stellen.

Momentan läuft in Deutschland eine große Kampagne, um Unternehmen dazu zu bewegen in Twitter-Ads zu investieren, um damit zu mehr Followern zu kommen. Das Geschäft mit den Ads läuft noch nicht so richtig, ist aber eines der wichtigen Standbeine, um mehr Umsatz zu erwirtschaften.

Twitter-Werbung und Drittanbieter

Was hat die Sperrung der API von TweetAdder mit der Vermarktung von Twitter-Werbung zu tun? Aus meiner Sicht eine ganze Menge. Und wenn meine Überlegungen auch nur teilweise stimmen sollten, wird es vermutlich ein paar schwerwiegende Veränderungen im Twitterversum geben.

Tools wie TweetAdder ermöglichen einen relativ raschen Follower-Aufbau. Durch seine sehr fein abgestimmte Suchfunktion erlaubt es TweetAdder, schnell vielen gut ausgewählten Twitterern zu folgen. Einige Marketer und Twitter-Experten sprechen hier von „targeted following“, übersetzt etwa zielgerichtetes Folgen.

Tools zum Follower-Aufbau vermiesen Twitters Geschäft mit der Werbung

Wer sein Geschäft über Twitter bekannt machen möchte, braucht viele interessierte Follower. Darauf zu warten, dass andere Twitterer einen entdecken und einem aufgrund der guten Kommunikation folgen, ist zwar ein praktikabler Weg, dauert jedoch in der Regel sehr lange. Ob bei Twitter gekaufte Anzeigen den Vorgang wirklich beschleunigen, halte ich derzeit noch für fragwürdig.

Über Folgen und Zurückfolgen geht es meines Erachtens erwiesenermaßen sehr schnell. Und wer nur strikt ausgewählten Followern folgt und zurückfolgt, baut sich recht schnell eine passable Gefolgschaft auf, die bei sorgfältiger Auswahl auch in etwa der Zielgruppe entsprechen dürfte.

Genau das könnte der Knackpunkt sein. In den USA gibt es dutzende von brauchbaren Anleitungen, wie das mit dem „targeted following“ auch tatsächlich die gewünschten Ergebnisse bringt. TweetAdder ist eines der vielen Programme, die das unterstützen, vielleicht sogar das beste. Wenn die Sperrung von TweetAdder der Anfang einer Reihe von Suspendierungen sein sollte, könnten eine ganze Reihe von Tools – viele davon kostenpflichtig – demnächst gesperrt werden.

Fazit

Programme zum Follower-Aufbau könnten in Twitters Augen ein erfolgreiches Agieren am Markt zumindest erschweren. In Deutschland wird gerade stark dafür geworben, Werbeanzeigen zu schalten, um mehr Follower zu bekommen. TweetAdder verspricht ähnliches und ist dazu auch schon gut erprobt und kann Erfolge nachweisen. Bei Twitter-Ads ist keineswegs sicher, ob das tatsächlich hilft, schneller Follower zu gewinnen. Man darf also gespannt sein, wie es sich hier weiterentwickeln wird.

 


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Heiner
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Heiner

Heiner Tenz, im Hauptberuf Berater für SAP, ist seit 10 Jahren aktiv in den Social Media unterwegs. Sein Fokus liegt hauptsächlich im Bereich Netzwerken auf Augenhöhe und Einsatz von Social Media im industriellen Umfeld - Thema: Unternehmensweite effiziente Zusammenarbeit.
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Kommentare

Was folgt der Sperrung der Twitter-API für TweetAdder? — 10 Kommentare

  1. Hallo Heiner, vielen Dank für diesen ausführlichen Bericht über Tweet Adder. Ich habe die ganze Zeit schon nach Antworten gesucht! Ja, es ist wirklich eine Frechheit von Twitter. Als Bürger gewinnt man den Eindruck, dass die großen Unternehmen alle Märkte an sich reißen. Diese meinen, mit ihrem Geld alles machen zu können. Leider bleiben dabei viele selbständige Unternehmer auf der Strecke. Das hat nichts mehr mit Sozialer Marktwirtschaft zu tun. Es ist Machtmißbrauch! Warum tut das Kartellamt nichts? Die Märkte gehören uns allen. Die kleinen Unternehmen sollten sich gegen solche Praktiken wehren. Gruß, Friedhelm Kölsch

    • Hallo Friedhelm,

      habe heute mal wieder überprüft, ob sich etwas hinsichtlich TweetAdder getan hat. TweetAdder scheint endgültig aus dem Rennen.

      Zum politischen Aspekt möchte ich mich nicht äußern. Da sollte jeder seine eigene Antwort finden. Was den unternehmerischen Aspekt betrifft, ist es schon immer ein Risiko gewesen, sich von einer anderen Firma komplett abhängig zu machen. TweetAdder ist eines der Projekte aus der Anfangszeit von Twitter. Zwischenzeitlich hat Twitter die Anforderungen an Drittanbieter mehrmals stark geändert. Ohne nähere Kenntnis der Sachlage kann ich nur spekulieren, was ich ja auch schon in meinem Artikel getan habe.

      Twitter scheint nicht bereit zu sein, seinen Grundgedanken konsequent weiter zu entwickeln. Statt ein abgerundetes Social Media Werkzeug anzubieten, werden immer neue Baustellen eröffnet. Aber das ist Stoff für einen eigenen Artikel 🙂

      Danke für Deinen Kommentar!
      Beste Grüße, Heiner

    • Moin Marcus,

      ja, das wäre schon mal was, wenn jeder nur noch dann twittert, wenn er online ist. Mit Smartphone sollte das ja auch kein Problem sein. 🙂

      Da es jedoch genügend andere Tools gibt, die manchmal sogar sehr ähnlich arbeiten wie TweetAdder, frage ich mich halt, warum Twitter ausgerechnet eines der Tools kaputt macht, die Twitter bei Werbetreibenden zum Durchbruch verholfen haben.

      Aber auch ich kann ohne TweetAdder gut leben.

      LG, Heiner

  2. Pingback: Die Social Web News der 22. Kalenderwoche

  3. Hallo Heiner,
    ich habe TweetAdder auch gerade noch mal getestet.
    War tot, ist tot und bleibt wohl auch für immer tot…
    Kennst du eine Alternative, mit der man wenigstens „folgen von neuen Followern und entfolgen von Nichtfollowern“ machen kann? Das kann ja gerne manuell sein. Hauptsache einem wird angezeigt, wer neuer Follower ist zum zurück folgen und wer ist nicht mehr Follower.
    Freue mich auf deine Antwort.
    Gruß,
    @AWegermann

  4. Pingback: Frühjahrsputz bei Twitter - Fake Follower entfernen

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