Tweets mit mehr als 140 Zeichen?

Wird es bald Tweets mit mehr als 140 Zeichen geben? Die Meldungen über eine mögliche Aufhebung des 140-Zeichen-Limits rattern durch meine Twitter-Timeline, und auch mein RSS-Reader spuckt sie reihenweise aus. Was aber steht wirklich dahinter? Ich will mal etwas genauer lesen und eine Interpretation wagen.

Twitter denkt über die Aufhebung des 140-Zeichen-Limits nach.

Twitter denkt über die Aufhebung des 140-Zeichen-Limits nach.

Eine meiner ersten Quellen, die ich heute gelesen habe, ist der Artikel von Kurt Wagner und Jason Del Rey auf re/code: Twitter Plans to Go Beyond Its 140-Character Limit. Dort steht etwas von einem neuen Produkt von Twitter. Dabei bleibt unklar, was das neue Produkt sein wird, und ob dadurch das 140-Zeichen für Tweets aufgehoben werden wird.

Das Projekt „140plus“

Twitter steht mächtig unter Druck und versucht fast schon verzweifelt, Anreize zu schaffen, die dem Unternehmen neue Anwender bringen. Das 140-Zeichen-Limit für Tweets ist schon längst aufgeweicht, beispielsweise durch die Möglichkeit Retweets ausführlicher zu kommentieren. Auch das direkte Einbetten von Fotos in einen Tweet zähle ich dazu. Damit ist es möglich, längere Texte über Bilder zu veröffentlichen. Der Dienst Squall.io macht sich das zu Nutze, wandelt Texte bis 2000 Zeichen automatisch in ein Bild um und twittert es.

Im Artikel Das Ende des Microbloggings: Twitter will 140 Zeichen-Limit aufbrechen bei t3n ist die Rede von einer Reaktion auf den Trend von Social Media Blog-Plattformen, wie Medium oder wie es Facebook und LinkedIn eingeführt haben. Da Twitter sich momentan noch nicht dazu äußern möchte, kann man nur spekulieren, ob das neue Produkt unter dem Namen 140plus eine Art erweitertes TwitLonger wird oder gleich richtig lange Blogbeiträge zulässt.

Mehr als 140 Zeichen – ist das noch Twitter?

In meinen Augen wird es Twitter nicht viel nützen, die Tweetlänge zu erweitern. Twitter wird komplexer zu bedienen bleiben als Facebook, LinkedIn, Instagram, Google+ oder WhatsApp. Die Strategie, Geld auf die gleiche Weise wie Facebook in die Kassen zu bekommen, nämlich über Werbung, macht es Twitter schwer, sich zu entwickeln. Diese Strategie erfordert ein signifikantes Wachstum an Nutzern.

Wer Werbung schalten will, schaut sich natürlich vorher an, wie groß die potentielle Reichweite ist. Um Investoren zufrieden zu stellen und Unternehmen zur Schaltung von Werbung zu gewinnen, denkt man bei Twitter also hauptsächlich darüber nach, wie ein Wachstum an aktiven Anwendern geschaffen werden kann. Das verhindert in meinen Augen eine Verbesserung der Anwenderfreundlichkeit. Twitter könnte viel gewinnen, wenn man Funktionen bereitstellen würde, die einfach über das Menü erreichbar sind. Dazu gehören aus meiner Sicht vorgefertigte Timelines und eine durchschaubare Followerverwaltung.

Gibt es noch eine zielgerichtete Unternehmensvision?

Irgendwie zweifle ich inzwischen daran, dass Twitter einer Unternehmensvision anhängt, die das Unternehmen aus der „Anwender-Wachstums-Falle“ herausbefördern kann. Die Weichen sind möglicherweise schon so falsch gestellt, dass alternative Wege nicht mehr beschritten werden können.

Dass es andere Möglichkeiten gibt, mit Twitter Geld zu verdienen, zeigen hunderte von Firmen, die sich gut für Tools, etwa zur Follower-Verwaltung oder für detaillierte Analysen, bezahlen lassen. In diesem Segment könnte Twitter locker wesentlich bessere Werkzeuge entwickeln und als Premium-Dienste gegen Bezahlung zur Verfügung stellen. Immerhin besitzt Twitter all die Daten, die dafür gebraucht werden.

Ich wünsche mir, dass Twitter auf die richtigen Ideen kommt und Wege findet, seine Investoren zufrieden zu stellen.

Hier noch die von mir verwendeten Quellen:

Heiner
Vernetzen

Heiner

Heiner Tenz, im Hauptberuf Berater für SAP, ist seit 10 Jahren aktiv in den Social Media unterwegs. Sein Fokus liegt hauptsächlich im Bereich Netzwerken auf Augenhöhe und Einsatz von Social Media im industriellen Umfeld - Thema: Unternehmensweite effiziente Zusammenarbeit.
Heiner
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Kommentare

Tweets mit mehr als 140 Zeichen? — 2 Kommentare

  1. Hallo Herr Tenz,

    gerade das gefällt mir an Twitter, dass ich mich kurz fassen und es auf den Punkt bringen muss. Es ist nicht immer einfach, das in den vorgegebenen Zeichen zu schaffen, es muss ja lesbar und verständlich sein. Ich finde es nicht gut, wenn sich die sozialen Netzwerke immer mehr ähneln. Jedes braucht eine Besonderheit, ein Alleinstellungsmerkmal und das ist bei Twitter nun mal die Zeichenbeschränkung. Bei den DMs hat die Erweiterung für mich Sinn gemacht, beim Kommentieren und Teilen von Tweets ist es auch von Vorteil, aber sonst passt es so wie es ist.

    Viele Grüße
    Claudia Dieterle

    • Danke für Ihre Antwort, Frau Dieterle,

      das 140-Zeichen-Limit hat sicherlich viele Vorteile. Für einige ist es jedoch auch ein Nachteil. Da es vor dem Hintergrund der Rentabilität darum geht, massentauglich zu sein, ist es nur natürlich, dass die Begrenzung auf 140 Zeichen in den Fokus der Betrachtungen bei Twitter geraten ist. Gerüchte darüber besagen erst einmal: Es wird darüber nachgedacht. Was dabei herauskommen wird, muss mehr sein, als eine Aufhebung der Grenze. Ich hoffe und wünsche, dass Twitter einen Weg findet, die alte und die neue Twitterwelt zu vereinen und vielleicht zu versöhnen. Es wird jedoch immer welche geben, die etwas auszusetzen haben, mit Facebook oder etwas anderem vergleichen. Aber ein weltweit aufgestelltes Unternehmen kann sich schwerlich auf Vorlieben von ein paar geübten Twitterern beschränken. Vor allem muss es überleben. Wenn Twitter scheitert, fällt das 140-Zeichen-Limit sowieso. 🙂

      Viele Grüße
      Heiner Tenz

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