Sind Tweets urheberrechtlich geschützt?

Artikel Tipps und Tricks

Das Buch, zusammengestellt aus den Tweets vieler ungenannter Twitterer, sorgt nach wie vor für einige Diskussionen. Es geht darum, ob Tweets urheberrechtlich geschützt sind oder nicht. Wie so oft ist dabei die Rechtsprechung nicht im Einklang mit dem Gefühl der Menschen. In den Augen vieler verstößt es gegen das allgemeine moralische Gefühl und gegen gesellschaftliche Normen, wenn ein Autor seine Quellen ungenannt lässt.

Auch wenn das geltende Recht es nicht unter Strafe stellt, ist es dennoch ein Affront und eine Beleidigung für viele Betroffene und für die Twitterwelt im allgemeinen. Wenn eine öffentlich zugängliche Plattform für die persönliche Bereicherung genutzt wird, ohne die kreativen Geister zu erwähnen, ist das in den Augen der meisten ein asozialer Akt. Wie solche Typen im allgemeinen genannt werden, brauche ich hier nicht eigens zu erwähnen.

Klar ist: Die Lage ist nicht eindeutig.

Die Lage ist nicht eindeutig, weil sich über die sogenannte Schöpfungshöhe gestritten werden kann. Auch wenn die Entscheidung durch einen Richter erfolgt, bliebe eine diesbezügliche Entscheidung irgendwie subjektiv. Ein Richter wird zwar objektive Kriterien heranziehen, kann – wie jeder andere Mensch – jedoch nicht gänzlich über den Schatten seiner Subjektivität springen. Will sagen, seine persönliche Ansicht wird wenigstens einen kleinen Teil zur Entscheidung beitragen.

Die rechtlichen Aspekte behandelt Rechtsanwalt Dr. Carsten Ulbricht in seinem Artikel „Twitter & Urheberrecht – Ist die Übernahme fremder Tweets rechtlich zulässig ?“ sehr ausführlich. Er bleibt dabei sehr eng an der juristischen Betrachtung und lässt moralische und andere Aspekte außer Acht. Wer sich ein genaueres Bild der rechtlichen Situation machen möchte, dem sei dieser Artikel wärmstens empfohlen:

In diesem Artikel finden sich eine ganze Menge Verweise auf weitere Artikel zum Thema. Auch die Diskussion in den Kommentaren ist lesenswert!

Es bleiben Fragen offen

Rechtsanwalt Dr. Ulbricht spricht es dankenswerter Weise an: Das deutsche Urheberrecht scheint nicht mehr zeitgemäß und kaum in der Lage, den Gegebenheiten im Internet gerecht zu werden. Mir sind allerdings zwei Punkte bei seiner Argumentation aufgestoßen. Zum einen, dass er originelle Texte als nicht für schützenswert erachtet. Dem kann ich nicht wirklich folgen, es sei denn originell wird von ihm als Synonym für lustig verwendet.

Ich empfinde originelle Tweets gerade als Paradebeispiel für ausreichende „Schöpfungshöhe“. Das zeigt sich ja auch daran, dass ein Gericht einen kurzen Spruch Karl Valentins für schützenswert gehalten hat. Vermutlich werden jedoch auch da die Meinungen der Gerichte auseinandergehen.

Eine Zusammenstellung geklauter Tweets ist schützenswert

Mein zweiter Punkt, den ich gar nicht verstehe, ist die Einschätzung, dass ein aus nicht geschütztem Material zusammengestelltes Buch als intellektuelle Leistung schützenswert sein soll. Von einem juristischen Standpunkt aus gesehen mag das nach geltendem Recht richtig sein. So nach dem Motto, wirf Müll auf einen Haufen, dann wird aus dem gesammelten Müll ein Kunstwerk.

Das verstehe ich nicht, das widerspricht meinem Rechtsempfinden. Mir erscheint es eine unlautere Geschäftspraxis, mit den Leistungen anderer Menschen Profit erzielen zu wollen. Da macht es für mich auch keinen großen Unterschied, ob die einzelnen Tweets geschützt sind oder nicht.

Tweets sind in der Regel nicht urheberrechtlich geschützt

Rechtlich gesehen wird es also schwer sein, Urheberrechtsverletzungen bei einzelnen Tweets nachzuweisen. Es ist daher zu befürchten, dass dadurch die Kreativität vieler Twitterer nachlassen könnte. Das ist extrem schade. Wenn das Recht weiterhin Leute wie den Autoren des Buches unterstützt, wird sich das auf Dauer auf die Qualität im Social Web auswirken. Diesbezüglich wird ja schon jetzt einiges zu Recht bemängelt.

Rechtsanwalt Dr. Ulbricht hat für den Autoren des Buches im Vorfeld untersucht, inwieweit Tweets urheberrechtlich gesehen schutzfähig sind. Zitat aus seinem Artikel:

Discalimer im Artikel von Dr. Carsten Ulbricht

Disclaimer im Artikel von Dr. Carsten Ulbricht

Wahrscheinlich nicht nur im meinen Augen bedeutet dies, dass der Autor willentlich und absichtlich versucht, die Leistungen diverser kreativer Twitterer für seine Zwecke und seinen Profit auszunutzen. Es geht ihm offensichtlich sehr stark um den eigenen Nutzen. Ob das nun im Mantel einer guten Tat versteckt wird oder nicht. Letztlich profitiert er in einer Weise, die sich auch zu Geld machen lässt. Was von solchen Leuten zu halten ist, überlasse ich jedem selbst.

Das Nennen der ursprünglichen Verfasser wäre übrigens nur ein geringer Zusatzaufwand gewesen und hätte der Verbreitung kaum geschadet. Im Gegenteil, ich denke, viele hätten mit Begeisterung dafür geworben. Nun, er hat sich für Negativ-Werbung entschieden …

Fazit

Tweets sind urheberrechtlich derzeit nicht geschützt. Klick um zu Tweeten

Auch wenn das Urheberrecht nicht für den Schutz einzelner Tweets ausreichen sollte, ist es von einem ethisch-moralischen Standpunkt aus gesehen verwerflich, sich mittels der Leistungen anderer zu bereichern. Daher sollte es möglich sein, gegen solche Auswüchse vorzugehen. Vielleicht hat ja ein findiger Rechtsanwalt Zeit und Lust, sich in dieser Richtung zu profilieren und passende Paragraphen zu finden, die es ermöglichen, gegen solche Machenschaften vorzugehen.

Allen rechtlichen Spitzfindigkeiten zum Trotz denke ich also, es sollte nicht erlaubt werden, in größerem Umfang von der Leistung anderer zu profitieren. Das verstößt in meinen Augen gegen ungeschriebene Gesetze eines einvernehmlichen Zusammenlebens und gegen ethisch-moralische Grundsätze. Personen, die sich nicht darum scheren, was andere davon denken, wenn sie mit Leistungen anderer Geld verdienen, schaden dem gesellschaftlichen Miteinander. Auch wenn sie rechtlich gesehen nicht zu belangen sind, ist ihr Tun gegen die Gesellschaft und daher verwerflich.

 


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Heiner
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Heiner

Heiner Tenz, im Hauptberuf Berater für SAP, ist seit 10 Jahren aktiv in den Social Media unterwegs. Sein Fokus liegt hauptsächlich im Bereich Netzwerken auf Augenhöhe und Einsatz von Social Media im industriellen Umfeld - Thema: Unternehmensweite effiziente Zusammenarbeit.
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