Kommerzieller Tweetklau ist Gedankenhehlerei

Gedankenhehlerei

Zugegeben, das Wort Gedankenhehlerei ist mir neu. Daran muss ich mich noch gewöhnen. Leider trifft es zu. Die geistigen Anstrengungen anderer dazu zu verwenden, um damit Geld zu verdienen, kann kaum anders bezeichnet werden.

Es ist ja schon schlimm genug, dass auf Twitter oft Tweets einfach nachgetwittert werden, ohne denjenigen zu erwähnen, der viel Gedankenschmalz investiert hat, um einen guten, interessanten Tweet zu erfinden. Je lockerer und treffender ein Tweet ist, desto mehr hat sein Urheber vermutlich darüber nachgedacht.

Follower, Fans, Likes, Retweets und Favs steigern den Wert

Inzwischen hat es sich leider eingebürgert, Tweets als Memes zu verpacken und auf Facebook ohne Angabe des Tweet-Erfinders zu posten. Entsprechende Seiten, die ich hier keinesfalls nennen werde, bekommen durch diese geklauten Tweets ein rasantes Fanwachstum. Die Zahl der Likes explodieren dort immer häufiger.

Einschub: Ich nenne solche Seiten aus zwei Gründen nicht:

  1. Ich unterstütze keine fragwürdigen Websites. Wer sie finden will, der findet sie.
  2. Es geht auch ein wenig darum, den Blick der Leute dafür zu schärfen, was fragwürdig ist. Wer selbst danach sucht, hat einen Grund, das zu tun. Vielleicht überlegt sie oder er dann ja auch, was der Grund ist, warum die Seite fragwürdig ist und erkennt später selbst solche Seiten. Keine Ahnung, ob’s was bringt 🙂

Seiten, die mit flotten Sprüchen (geklaut oder selbst erfunden) daherkommen, sind Projekte, mit denen sich Geld verdienen lässt. Vielen scheint nicht klar zu sein, dass ihre Interaktionen den Wert solcher Unternehmungen steigern. Es gibt einige Methoden, das in bare Münze umzuwandeln. Wenn also Tweets von anderen dazu verwendet werden, Fans, Follower und Interaktionen zu generieren, ist es kommerzieller Tweetklau. Wenn damit Profit erzeugt wird, kann es getrost Gedankenhehlerei genannt werden.

Kommerzieller Tweetklau ist Gedankenhehlerei

Anfangs war ich mir nicht sicher, wie es rechtlich aussieht. Ich bin juristisch ungebildet und darf das ja auch nicht beurteilen. Meine Recherchen haben jetzt jedoch ergeben, dass die Veröffentlichung von Tweets anderer Leute auf anderen Medien als Twitter ohne Hinweis auf den Urheber eine Urheberrechtsverletzung darstellen kann. Insofern denke ich, die Veröffentlichung des Buches von mademyday sollte ein gerichtliches Nachspiel haben.

Dankenswerterweise hat @Moltroff auf seinem Blog einen Artikel veröffentlicht, der die Möglichkeiten auflistet, gegen kommerziellen Tweetklau vorzugehen. Unbedingt lesenswert, auch die anderen Artikel:

Ich denke, die Beklauten sollten darüber nachdenken, gerichtlich gegen die Buchveröffentlichung, den Verlag und die Facebook-Seite vorzugehen. In der Computerwoche habe ich einen Artikel gefunden, der auf das Urheberrecht im Social Media Umfeld eingeht. Dort steht u.a. „… man kann eben nicht unterstellen, dass der Autor auch stillschweigend in weitere, davon abweichende Nutzungen eingewilligt hat.“

Weiterhin wird geschrieben: „Wird also ein Tweet außerhalb von Twitter genutzt oder veröffentlicht dann dürfte es sich oft um eine Urheberrechtsverletzung handeln, die zur Abmahnung führen kann.“ Dies ist definitiv der Fall bei dem mademyday Buch, aber auch bei der entsprechenden mademyday Seite bei Facebook.

Den Artikel findest du hier: Auch Tweets sind geschützt: Vorsicht Urheberrecht!

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Heiner
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Heiner Tenz, im Hauptberuf Berater für SAP, ist seit 10 Jahren aktiv in den Social Media unterwegs. Sein Fokus liegt hauptsächlich im Bereich Netzwerken auf Augenhöhe und Einsatz von Social Media im industriellen Umfeld - Thema: Unternehmensweite effiziente Zusammenarbeit.
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Über Heiner

Heiner Tenz, im Hauptberuf Berater für SAP, ist seit 10 Jahren aktiv in den Social Media unterwegs. Sein Fokus liegt hauptsächlich im Bereich Netzwerken auf Augenhöhe und Einsatz von Social Media im industriellen Umfeld – Thema: Unternehmensweite effiziente Zusammenarbeit.


Kommentare

Kommerzieller Tweetklau ist Gedankenhehlerei — 3 Kommentare

  1. danke fürs verlinken.ich finde den ratgeber vom moltroff fragwürdig, mit seinen ratschlägen. die systemmedien klaun doch selber ungeniert, warum sollte ich die „informieren“? u was soll es überhaupt bringen, geklaute tweets „zu melden“? ist doch viel interessanter, wer solche bücher in auftrag gibt u wer klauen lässt. wer bezahlt herrn bitschnau? (ein buch mit geklauten tweets gabs schon 2012 einmal beim dubiosen rivaverlag)

    und brandinteressant: warum distanziert sich der gemeinnützige verein ärzte der welt nicht, sondern spielt auf zeit ?? warum wurde der nebenschauplatz (!!) aufgemacht „helft uns und sammelt feste tweets aus dem buch, wir leiten die dann weiter!“

    und nochwas: der begriff hehlerei verwirrt mich. ist das nicht, wenn ich von einem verbrechen weiss und denjenigen decke?

    • Danke für Deinen Beitrag!

      Mit Hehlerei wird das Verkaufen gestohlener Waren bezeichnet.

      Es gibt sicherlich noch einige Fragen, die wohl erst im Laufe der Zeit geklärt werden können. Leider gibt es in dieser Sache einige zwiespältige Aspekte. Was mich momentan am meisten beschäftigt, ist, wie eine solche Veröffentlichung strafrechtlich verfolgt werden könnte. Wenn das in einer rechtlichen Grauzone bleibt, wird es in Zukunft eine Menge Nachahmer geben. Dadurch würde das Klima nicht nur auf Twitter leiden. Mit der Zeit gäbe es vermutlich immer weniger originelle Tweets. Das wäre sehr schade.

  2. ich verstehe, dass dich erstmal die juristischen möglichkeiten beschäftigen. wenn meine phantasien stimmen, kann man davon ausgehn, dass die andere seite sich rechtlich einigermassen sicher fühlt. notfalls stampfen sie das machwerk eben wieder ein, wie 2012 schonmal.
    ich denke dass die kritiker zwiespältige absichten haben oder vlt. gar nicht so genau wissen, was sie überhaupt wollen. mich ärgert ja auch, wenn meine tweets geklaut werden, aber das ding mit der „schöpfungshöhe“ spaltet euch. ich würde mir wünschen, dass dieses gate ein auslöser ist, genauer hinzuschaun. kriminelle machenschaften kann man nichtnur ein bisschen aufklären. man muss sich schon entscheiden es wissen zu wollen, und auch bereit sein, den preis dafür zu bezahlen. spätestens wenn der fall vor gericht kommt, wird herr bitschnau farbe bekennen müssen, für wen er gearbeitet hat.

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