Die etwas andere Art Fake-Twitterer

Durch diesen Tweet:

https://twitter.com/DoktorJohannes/status/380307378962329600

den @NoemiAMadian retweetet hat, bin ich zufällig auf eine seltsame Art von Twitterer-Fakes gestoßen. Es ist wirklich erstaunlich, was sich manche Leute so alles aus- und zusammendenken. Die virtuelle Realität trifft nicht nur auf das reale Leben. Sie trifft auch auf eine Art Theaterwelt, die das reale Leben auf eine fast perfide Weise imitiert.

Das reale Leben wirkt auf die virtuellen sozialen Netzwerke. Reale Ereignisse werden dort bekannt gemacht, wiedergegeben und kommentiert. Es werden virtuelle Freundschaften geschlossen, die manchmal sogar den Weg zurück ins reale Leben finden. Es ist so kaum verwunderlich, dass dort auch über Krankheit und Tod „gesprochen“ wird.

Mir selbst sind auch schon Meldungen über Todesfälle untergekommen. Die Betroffenen bleiben nach einem solch einschneidenden Erlebnis wie dem Tod eines Nahestehenden oft für lange Zeit „stumm“. Meistens dürften Social Media Accounts nach einem Todesfall einfach inaktiv bleiben. Nur enge Freunde werden solche Fälle mitbekommen.

Die wirklichen Hintergründe des folgenden Falles kenne ich selbstverständlich nicht.

Es wird berichtet, dass über Twitter der Tod eines Mit-Twitterers bekanntgeben wurde. Diverse Leute hatten wohl einen guten Kontakt zu diesem Twitterer und waren daher von der Nachricht emotional sehr betroffen. Alle waren der Meinung, sie hätten mit einer realen Person getwittert.

Wie sich jedoch herausstellte, war alles eine Inszenierung einer einzelnen Person. Sie hatte mindestens drei Twitter-Accounts, mit denen sie in der virtuellen Welt eine Art Theaterstück bzw. Drama inszenierte, bei dem sie einen der Protagonisten sterben ließ. Was auf den ersten Blick plausibel erschien, wurde nach und nach durch eigenartiges Verhalten der zum Spiel gehörenden Protagonisten verdächtig.

Hier die beiden Erfahrungsberichte, auf die @DoktorJohannes verweist:

Ich vermute, es war von Anfang an geplant, eine Art Twitter-Theaterspiel zu veranstalten. Die getäuschten Twitterer fanden das Ganze allerdings nicht sehr amüsant, weil sie von den Vorgängen emotional sehr betroffen waren. Hier kann die Frage gestellt werden: Wie weit darf man in der Social Media Welt Theater spielen, ohne die Leute darauf hinzuweisen, dass es nur Theater ist? Anderseits hätte eine solche Aktion wenig Erfolg, wenn alle von Anfang wüssten, dass es nur ein Spiel ist.

Ob die Sache ein Nachspiel haben wird? Bin dankbar für jede Information!

Nachtrag 26.9.2014:
Durch Zufall bin ich heute wieder auf dieses Thema gestoßen und habe eine komplette Homepage mit einem Erfahrungsbericht gefunden. Das ist weit heftiger, als ich es mir je gedacht hätte. Ich will es aber jertzt nicht weiter kommentieren. Lest selbst:

Die Betrügerin – Eine wahre Geschichte

DeutschTweetor ist hier auf Twitter und hier auf Facebook zu finden.

 

Heiner
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Heiner

Heiner Tenz, im Hauptberuf Berater für SAP, ist seit 10 Jahren aktiv in den Social Media unterwegs. Sein Fokus liegt hauptsächlich im Bereich Netzwerken auf Augenhöhe und Einsatz von Social Media im industriellen Umfeld - Thema: Unternehmensweite effiziente Zusammenarbeit.
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Über Heiner

Heiner Tenz, im Hauptberuf Berater für SAP, ist seit 10 Jahren aktiv in den Social Media unterwegs. Sein Fokus liegt hauptsächlich im Bereich Netzwerken auf Augenhöhe und Einsatz von Social Media im industriellen Umfeld - Thema: Unternehmensweite effiziente Zusammenarbeit.

Kommentare

Die etwas andere Art Fake-Twitterer — 2 Kommentare

  1. Hallo!

    Ich bin derjenige, der das ganze bei Twitter bekannt gemacht hat.

    Bei der Sache ging es darum, dass die gewisse Person – eine derzeit 29-jährige Frau – nicht nur einen, zwei oder drei Accounts erfunden hat, um irgendwelche Geschichten zu erzählen.

    Ich hatte mit dieser Person in der Vergangenheit zu tun und habe auch diesen gewissen „Christian Wagner“ kennengelernt. Doktor Johannes hat das in seinem Video gut beschrieben – erst lernt man eine Identität kennen und schwupp hat man mit mehreren davon Kontakt und steckt in der Szenerie drin, ohne dass man etwas großartiges gemacht hat.

    Die dahinter steckende Person hat eigens eine auf den Namen „Christian Wagner“ lautende Paketadresse eingerichtet, um in betrügerischer Absicht materielle Vorteile erlangen, ohne als reale Person in Erscheinung treten zu müssen. Eine zivilrechtliche Verfolgung im Rahmen von Schadensersatzforderungen war somit nicht möglich. So war es bei mir.

    Ich habe dann eine Strafanzeige erstattet. Die Staatsanwaltschaft hat mit Ihren Ermittlungen alles aufgedeckt. Unter anderem, dass diese Frau, den „Christian Wagner“ bereits im Mai 2008 erschuf und 2009 die Paketadresse eingerichtet. Sie wurde dann vom Amtsgericht wegen Betruges in sieben Fällen rechtskräftig zu einer Geldstrafe verurteilt.

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